Haltung
Unsachgemäß gehaltene Meerschweinchen verarmen schnell an sozialem Verhalten und haben eine deutlich geringere Lebenserwartung gegenüber Tieren in artgerechterer Haltung.
Da Meerschweinchen gerne und viel rennen, brauchen sie entsprechenden Platz und Auslauf. Der Standard 60x40cm Käfig aus der Zoohandlung ist ein No-Go!
Worauf es bei der
Haltung von Meerschweinchen im Allgemeinen und im Besonderen ankommt und wie man sie artgerecht hält damit sie lange und glücklich leben können, erkläre ich in den nächsten
Zeilen.
Meerschweinchen sind Sprinter und
brauchen Auslauf. Doch wie viel ist nötig und was mögen die Meerschweinchen im Auslauf? Wo und wie kann man einen Meerschweinchen Auslauf bauen? Hier findet Ihr Hilfe zur Haltung des
Meerschweinchen im Auslauf.
Meerschweinchen, die in einem handelsüblichen Käfig oder in einem recht kleinen Gehege leben, in dem sie nicht richtig rennen können, brauchen Auslauf. Wer also seine Meerschweinchen auf weniger als 2 m² pro Meerschweinchen hält (und das ist ja meistens der Fall), der muss seinen Meerschweinchen geeigneten Auslauf geben. Und das so lange wie möglich. Meiner Meinung nach sind 4 Stunden das absolute Minimum, mehr ist besser. Und selbst dann sind sie ja noch 20 Stunden im engen Käfig.
Ob die Meerschweinchen in der ganzen Wohnung laufen dürfen, nur in einem Zimmer oder eine große abgetrennte Ecke in einem Zimmer haben, ist dabei nicht so wichtig. Pro Meerschweinchen sollte bei recht beengter Käfighaltung mindestens 2 m² im Auslauf zur Verfügung stehen. Leben sie auf mehr Platz, kann der Auslauf auch etwas kleiner sein.
Der beste Untergrund zum Laufen im Innenbereich ist Teppich, da sie auf diesem nicht ausrutschen und er nicht so kalt ist wie Laminat oder PVC. Dieser verschmutzt jedoch schnell, vor allem bei nicht stubenreinen Meerschweinchen. Möglich ist auch das Auslegen mit Flickenteppichen oder Decken. Was dann bei einem selbst am praktischsten ist, muss man selber entscheiden. Im Auslauf der Meerschweinchen sollten mehrere Versteckmöglichkeiten wie Häuschen, Weidenbrücken, Pappröhren stehen, damit sich die Schweinchen zurückziehen können. Und es muss natürlich genug Platz bleiben, um zu rennen, zu springen und zu popcornen.Meine Meerschweinchen können 24 Stunden am Tag in einem abgegrenzten Auslauf (4 x 4 m) laufen. Dort lege ich auch immer wieder Äste zum Verstecken und Beknabbern hin. Außerdem steht der Futternapf draußen. Um in den Eigenbau zu kommen, stehen Häuschen davor, so dass sie hinein springen können. Frischfutter gibt es in einem Käfigunterteil aus Plastik.
Meerschweinchen Außenhaltung
Für Außenhaltung von Meerschweinchen sollte sich nur entscheiden, wer sich über die besonderen Bedingungen für ein Außengehege im Klaren ist. Die Haltung draußen im Garten ist im Allgemeinen deutlich arbeitsintensiver als die Haltung im Haus, auch gibt es besondere Vorkehrungen welche zu treffen sind, um die Meerschweinchen nicht schutzlos der Natur zu überlassen, denn: In Außenhaltung sind die Meerschweinchen nicht alleine und ein interessantes Ziel für andere Haustiere, auch die des Nachbarn. Zudem werden Meerschweinchen immer wieder Opfer diverser wildlebender Tiere unserer heimischen Gärten, was ein besonders abgesichertes Außengehege nötig macht.
Auch in der Außenhaltung ist es möglich, nur zwei Meerschweinchen zu halten. Natürlich bietet sich aufgrund meist höheren Platzangebots die Haltung deutlich größerer Meerschweinchen-Gruppen an. In der kälteren Jahreszeit haben Meerschweinchen ohnehin gerne mehr Artgenossen, um sich gegenseitig wärmen zu können. Bevor man sich für derartige ganzjährige Haltung von Meerschweinchen im Außengehege entscheidet, sollte man sich einige Fragen stellen bzw. sie positiv beantworten können. Außenhaltung bedeutet nicht, einfach einen handelsüblichen Käfig nach draußen oder in ein Stück des Gartens zu stellen und hin und wieder Futter bereit zu stellen!
Wenn alle diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, steht einer ganzjährigen Haltung von Meerschweinchen außen nichts im Wege.
Der Standort des Geheges für die Meerschweinchen sollte mit Sichtkontakt zum Haus gewählt werden. Schnell heißt es sonst »Aus den Augen, aus dem Sinn«. Zudem sollte das Gehege niemals der prallen Sonne ausgesetzt sein, da es bei den Meerschweinchen sonst leicht zu Hitzschlägen kommen kann. Ein schattiger Standort, z.B. unter einem Baum oder in der Nähe des Hauses an der Nordseite ist ideal.
Hält man Meerschweinchen außen, kann man ihnen häufig auch mehr Platz zur Verfügung stellen. Dass ist sogar nötig, da sie durch intensives Laufen ihren Körper vor allem vor Kälte schützen. Das Laufen hält ihren Organismus warm. 2m² sollte jedes Meerschweinchen zur Verfügung haben, damit sie auch im Winter genug Platz und ausreichend Möglichkeiten haben sich zu bewegen und ihre Körpertemperatur zu halten.
Ein Gehege muss anregend und abwechslungsreich gestaltet sein, um die Meerschweinchen dazu zu animieren, nach draußen zu kommen und alles zu erkunden. Zur Einrichtung eines Geheges gehören ein wetterfestes Haus (siehe Punkt “Haus”), Schattenplätze und Sammelplätze sowie genügend Beschäftigungsmaterial. Als Sammelplatz für die Meerschweinchen hat sich eine überdachte Futterstelle mit Holzboden bewährt. Der Boden muss täglich neu mit Heu eingestreut werden. Im Winter kann hier gut die Fütterung von Frischfutter stattfinden. Auch das Wasser hat hier einen geschützten Platz. Die Sammelstelle muss so groß sein, dass alle Meerschweinchen hier Unterschlupf finden können.
In der freien Natur sind Meerschweinchen nicht alleine. Eine Vielzahl wilder Tiere bewohnt den heimischen Garten ebenfalls, und sie sind häufig gerade nachts unterwegs, wenn die Halter ohnehin keinen Blick auf die Meerschweinchen haben. Das Gehege muss deshalb stabil gegen Feinde gesichert sein, so dass keine Katzen, Marder o.ä. in das Gehege einbrechen können. Dafür ist ein engmaschiges Gitter erforderlich. Sofern die Außenhaltung nicht in einem Gartenhaus, einer Laube o.ä. betrieben wird, muss zudem ein stabiles, nicht untertunnelbares Fundament vorhanden sein. Das Gehege muss fest verankert sein. Am besten verankert man das Gehege im Boden, so dass es auch nicht hoch gehoben werden kann. Außerdem muss zum Schutz vor Vögeln und weiteren Tieren das Gehege auch von oben geschützt sein; es darf niemals offen sein! Katzen können Meerschweinchen durch einen Genickbruch töten. Ist das Gitter nicht engmaschig genug, können Katzen die Meerschweinchen zudem mit ihren Pfoten verletzten.
Für die Außenhaltung im Winter gibt es einige Besonderheiten auf die geachtet werden muss.
Die Umsetzung ins Außengehege muss immer im Frühjahr erfolgen, damit die Meerschweinchen sich langsam an die Temperaturen der unterschiedlichen Jahreszeiten gewöhnen können. Für die Umsetzung darf es nachts nicht mehr frieren. Ideal ist eine Umsetzung bei einer Außentemperatur von ca. 15°C. Eine Umsetzung der Meerschweinchen im Winter vom Außengehege in die warme Wohnung muss ebenso vermieden werden.
Meerschweinchen Vergesellschaftung
Grundsätzlich kann man sagen, dass folgende Meerschweinchen Kombinationen in einer Gruppe möglich sind:
Meerschweinchen
Bockgruppen
Entgegen dem hartnäckigen Gerücht, dass sich Meerschweinchen Böcke
untereinander nicht vergesellschaften lassen, gibt es aber sehr wohl sehr viele Böckchengruppen die sich sehr gut verstehen und gut miteinander auskommen. Nur die Vergesellschaftung kann etwas
länger dauern und etwas mehr Nerven kosten. In reinen Böckchengruppen gibt es in der Regel viel weniger Streit als in reinen Weibchengruppen. Also traut Euch – holt Euch die
Kerle!
Jetzt habt Ihr Euch ein oder mehrere
neue Meerschweinchen zu den bereits bei Euch im Haushalt lebenden gekauft. Dann mal schnell mit ihnen in den Käfig zu den anderen, damit sie nicht alleine
sind. STOP!
Oft höre ich von Leuten, dass sich ihre alten Meerschweinchen nicht mit den neuen vertragen. Sie beißen sich
gegenseitig, jagen sich weg und streiten. Sie sind Eindringlinge in dem Revier der alten Meerschweinchen. Deshalb werden sie zuerst einmal auch als solche behandelt. Einen Vorteil haben junge
Meerschweinchen, da sie auch in Meerschweinchengruppen einen Babybonus haben. In den meisten Fällen ist dies auf eine falsche oder gar nicht stattgefundene Vergesellschaftung zurückzuführen. Das
heißt, dass sich die meisten Streitereien zwischen neuen und alten Meerschweinchen vermeiden lassen, wenn man sie richtig vergesellschaftet. Hierfür gibt es einige wichtige Regeln, die beachtet
werden sollten, damit das Zusammentreffen der Meerschweinchen für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis wird.
Mit ein paar einfachen Regeln die dem Wesen der Meerschweinchen entsprechen, klappt die Vergesellschaftung von Meerschweinchen bestimmt!
Wenn Ihr diese Hinweise beachtet stehen die Chancen sehr gut, dass die Vergesellschaftung Eurer Meerschweinchen funktioniert.
Gemeinsam statt einsam
Meerschweinchen sind
Rudeltiere
Meerschweinchen verkümmern in Einzelhaltung in ihrem Sozialverhalten und vereinsamen in einzelner Haltung völlig. Der Mensch kann ihnen keinen Artgenossen ersetzen. Auch wenn man sich 3 Stunden täglich mit seinem Meerschweinchen beschäftigt: Was ist mit den übrigen 21 Stunden des Tages? Deshalb für die korrekte Meerschweinchen Haltung: immer mehrere Meerschweinchen zusammen halten, niemals Einzelhaltung!
Ein allein gehaltenes Meerschweinchen hängt sich oft viel mehr an den Menschen. Aber dieses zunächst für den Menschen wünschenswerte Verhalten macht das Tier aus einer großen Not heraus. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Auch viele Meerschweinchen, die in einem großen Gehege leben und nicht täglich heraus genommen und gestreichelt werden, werden entgegen zahlreicher anderer Meinungen zahm! Die minimale Anzahl ist also zwei, obwohl ich immer zu mindestens dreien, besser noch vieren rate.
Ein Problem, wenn nur noch zwei Meerschweinchen zusammen leben ergibt sich, wenn eines stirbt. Das andere bleibt alleine zurück. Bei der Haltung von mindestens drei Tieren bleibt immer noch ein Partner. So kann man den hinterbliebenen zweien in aller Ruhe einen passenden Partner suchen. Grundsätzlich ist jedoch zu sagen, dass eine gerade Anzahl an Tieren günstiger sind als ungerade, es sei denn man hat mehr als sechs Meerschweinchen. Dann ist es egal, ob eine gerade oder eine ungerade Anzahl Tiere in der Gruppe leben. In so einer Gruppe kann man dann auch beobachten, wie Meerschweinchen spielerisch um ihr Futterkämpfen, sich besteigen, Quieken, Gurren, hintereinander herlaufen usw.
Viele Privatpersonen, aber auch Zoohandlungen und leider auch “Züchter” raten aus Unwissenheit immer noch zu einem Kaninchen als Partner für ein Meerschweinchen. Ein Kaninchen kann einem Meerschweinchen jedoch keinen Partner ersetzen!
Zwar können sie zusammen leben, eine Verständigung ist jedoch nicht möglich, da Meerschweinchen sich durch eine Lautsprache und Kaninchen durch eine Körpersprache verständigen, zudem sind Meerschweinchen körperlich immer unterlegen! Hält man ein Meerschweinchen und ein Kaninchen zusammen, sind beide Tiere gemeinsam einsam und man hält de facto dann beide Tiere in Einzelhaltung.
Genau wie mit dem Menschen gehen die Meerschweinchen mit Kaninchen eine Zweckgemeinschaft ein, wenn sie keinen artgerechten Partner, und das kann nur ein Meerschweinchen sein, haben. Weitere Informationen dazu gibt es in einem separaten Artikel: Meerschweinchen und Kaninchen
In vielen Interessensgemeinschaften über Meerschweinchen, auch im Meerschweinchen Forum des Ratgebers, besteht die Möglichkeit eins Leihschweins. Dieses ist sozusagen Springer und leistet dem letztverbliebenen Schwein Gesellschaft. Es ist sinnvoll und wichtig sich bereits zu Beginn der Haltung Gedanken darüber zu machen, was mit dem letzten Tier einer Meerschweinchen Gruppe passieren soll. Einzelhaltung ist hierbei natürlich keine Alternative!
Deswegen gebt Euren Meerschweinchen artgerechte Partner. Lasst sie mit anderen Meerschweinchen zusammen leben!